Ehrenamtliche Arbeit im Ausnahmezustand
Hilfe wird oft als Ereignis gedacht: ein Termin, eine Veranstaltung, ein Foto. Der größte Teil der tatsächlichen Arbeit aber bleibt unsichtbar – und genau dort entscheidet sich, ob Unterstützung trägt. Sie zeigt sich im Ausfüllen von Formularen, in der Abstimmung mit den Lotsen vor Ort, in der Organisation von Geschirr und geeigneter Kleidung, in der Begleitung bei der Beantragung von Leistungen, und auch in gemeinsamer Freizeit mit anderen Ukrainerinnen und Ukrainern, die ein Stück Normalität und Gemeinschaft schafft.
Wer ehrenamtlich ukrainische Veteranen betreut, tut das nicht in einem ruhigen Umfeld. Es ist Hilfe unter den Bedingungen eines andauernden Krieges: mit Menschen, die schwer verletzt sind, mit Familien in der Ukraine, die auf Nachrichten warten, und mit Helferinnen und Helfern, die selbst die Erschöpfung dieses Krieges in sich tragen. Ausnahmezustand ist hier kein Bild, sondern Alltag.
Ein großer Teil dieser Arbeit ist Verwaltung: Vollmachten, Anträge, Versicherungsfragen, Sozialleistungen, Kommunikation mit Behörden. Dazu kommt die medizinische Koordination – Termine bei Fachärzten organisieren, Abläufe zwischen Kliniken abstimmen, Gespräche mit medizinischem Personal begleiten. Und immer wieder Übersetzung und Vermittlung: zwischen einem komplexen System und Menschen, die seine Sprache nicht sprechen.
Hinzu kommt etwas, das in keinem Antrag steht: da zu sein. Nicht für ein Foto, sondern damit ein Mensch in einer fremden Stadt nicht völlig allein ist.
Diese Form der Arbeit hat ihren Preis. Wer dauerhaft mit Leid, Bürokratie und Dringlichkeit zu tun hat, läuft Gefahr, die eigenen Grenzen zu übersehen. Deshalb gehört zur ehrenamtlichen Arbeit auch die Verantwortung, auf die zu achten, die helfen. Kontinuität entsteht nicht aus Selbstaufopferung, sondern aus tragfähigen Strukturen.
Hilfe ist kein Event. Sie ist Struktur, Verantwortung und Beständigkeit. Und sie ist Teamarbeit. Wir danken allen Freiwilligen, die trotz eigener Arbeit und trotz der Erschöpfung durch den Krieg in der Heimat nicht aufhören zu helfen.
Dieses Projekt wurde durch Engagement Global, aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

