Ehrenamtliche Arbeit ohne Illusionen
Ehrenamtliche Arbeit wird oft idealisiert. Viele sehen darin unbewusst einen Weg, um Anerkennung zu erlangen und sich selbst zu verwirklichen. Die Realität ist jedoch viel komplizierter. Besonders in Kriegszeiten.
Dieser Text soll nicht davon abhalten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Vielmehr soll er Illusionen ausräumen, die zu Demotivation und Burnout führen können.
Was Freiwillige (leider) nicht erwarten sollten
Dankbarkeit
Diese bleibt oft aus. Stattdessen sehen sie sich mit Kritik, hohen Erwartungen und Enttäuschungen konfrontiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Arbeit bedeutungslos ist. Es bedeutet lediglich, dass Dankbarkeit keine Motivation sein kann.
Vertrauen vom ersten Moment an
Misstrauen und scharfe Kritik können die Folge tiefer Traumata sein.
Im Kontext des Krieges leben die Menschen in einem Zustand des Verlusts, der Angst und der Erschöpfung. Das Misstrauen richtet sich dabei nicht immer gegen die Freiwilligen. Dennoch ist es immer schwer zu ertragen.
Verständnis für die eigene Motivation und Anstrengungen
Empathie und Vertrauen sind vor allem in postimperialistischen Gesellschaften eher die Ausnahme als die Regel. Zumindest noch. Fang bei dir selbst an, dich zu ändern – sei verständnisvoll gegenüber allen (versuch es zumindest).
Selbstverwirklichung
Sie darf nicht auf Kosten anderer gehen. Sonst wird sie ungerecht und illusorisch. Genauso wie bei der Elternschaft.
Was ein Ehrenamtlicher verlangen kann und soll:
Respekt vor der eigenen Person und den eigenen Grenzen
Das ist keine Belohnung und kein Bonus. Es ist eine selbstverständliche Norm.
Respekt hängt nicht von der Rolle oder Tätigkeit ab.
Ein Trauma erklärt vieles, hebt aber nicht die Achtung der Menschenwürde auf.
Was ein Ehrenamtlicher können sollte:
Die Freiheit derjenigen respektieren, denen er hilft
Menschen sind frei, Hilfe anzunehmen oder sie bei anderen zu suchen.
Freiwilligenarbeit gibt kein Recht, andere zu kontrollieren oder für sie zu entscheiden.
Konstruktive, respektvoll geäußerte Kritik annehmen
Sie kann die Qualität der Hilfe und die Effizienz der Arbeit verbessern.
Eine Gemeinschaft schaffen
Je mehr Menschen ihre Zeit, ihre finanziellen und psychologischen Ressourcen dort investieren, wo staatliche Strukturen nicht über die entsprechenden Ressourcen oder Qualifikationen verfügen, desto stärker wird die Zivilgesellschaft. Und desto größer sind die Chancen auf einen gemeinsamen Sieg.