MedEvac: Wie verwundete ukrainische Soldaten nach Deutschland kommen
Wenn ein verwundeter Mensch aus Ukraine in einer Klinik in Nordrhein-Westfalen ankommt, liegt ein langer, genau geregelter Weg hinter ihm. Dieser Weg trägt einen Namen: MedEvac.
MedEvac ist das Programm der medizinischen Evakuierung, mit dem Ukraine schwer verletzte und erkrankte Menschen für eine Behandlung ins Ausland bringt. Es funktioniert über das Katastrophenschutzverfahren der Europäischen Union, gemeinsam mit dem ukrainischen Gesundheitsministerium und unterstützt durch die Weltgesundheitsorganisation. Mehr als zwanzig Länder beteiligen sich; Deutschland gehört zu den Ländern, die die meisten Patientinnen und Patienten aufnehmen.
Der Weg beginnt in der Klinik in Ukraine, in der sich der Patient befindet. Der behandelnde Arzt stellt den Antrag und bereitet die Unterlagen vor. Von dort werden die Patienten – meist per Krankenwagen – nach Lwiw und weiter über die Grenze ins polnische Rzeszów gebracht. Von Rzeszów aus übernehmen medizinische Evakuierungsflüge den Transport in die behandelnden Länder, wo lokale Teams die Ankommenden in Empfang nehmen.
Welche Klinik einen Patienten aufnimmt, können die Betroffenen nicht selbst wählen. Die Zuteilung erfolgt anhand des medizinischen Bedarfs, den das ukrainische Gesundheitsministerium ermittelt, in Abstimmung mit den Kliniken der verschiedenen Bundesländer. In welche Einrichtung es geht, erfahren viele erst kurz vor der Reise.
Die Kosten für Transport und Behandlung tragen nicht die Patienten. Die Versorgung erfolgt im Rahmen des vorübergehenden Schutzes nach der EU-Richtlinie von 2001 – also über jene sozialen Garantien, die auch für andere Schutzsuchende aus Ukraine gelten.
Nach der Ankunft beginnt der organisatorische Teil: Anmeldung als Ausländer, Antrag auf einen Aufenthaltstitel zur medizinischen Behandlung, Klärung der Sozialleistungen. Sogenannte Patientenlotsen unterstützen dabei.
Hinter der nüchternen Abfolge von Stationen steht ein Mensch, der seine Heimat im Krankenbett verlässt und in einem fremden Land aufwacht, dessen Sprache er nicht spricht. Genau dort beginnt unsere Arbeit.
Dieses Projekt wurde durch Engagement Global, aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

